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Fortschrittsfotos rechtssicher speichern: Einwilligung, Frist, Löschung

Recht · 19. August 2026 · 6 Minuten

Kurz gesagt

Fortschrittsfotos sind Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO und brauchen eine ausdrückliche Einwilligung. Für die Veröffentlichung — Instagram, Website, Werbung — brauchst du eine zweite, davon getrennte Einwilligung, weil dort zusätzlich das Recht am eigenen Bild greift: § 78 UrhG in Österreich, § 22 KUG in Deutschland. Gespeichert werden die Bilder nicht in der Kamerarolle und nicht im Chatverlauf, sondern in einem System mit Zugriffsrechten. Gelöscht werden sie, sobald die Betreuung endet oder die Einwilligung widerrufen wird.

Kaum ein anderes Datum in der Betreuung ist so aussagekräftig — und so heikel. Ein Vorher-Nachher-Bild verkauft besser als jede Tabelle, und genau deshalb liegt es bei den meisten Trainern am falschen Ort.

Warum sind Fortschrittsfotos rechtlich heikler als Gewichtsdaten?

Weil sie zwei Regelwerke gleichzeitig auslösen.

Als Gesundheitsdatum fällt das Bild unter Art. 9 DSGVO: Es zeigt den körperlichen Zustand einer bestimmten Person. Damit gilt das Verarbeitungsverbot des Art. 9 Abs. 1, und du brauchst die ausdrückliche Einwilligung nach Abs. 2 lit. a.

Als Bildnis fällt es zusätzlich unter das Recht am eigenen Bild — in Österreich § 78 UrhG, in Deutschland § 22 KUG. Das ist ein eigenständiges Persönlichkeitsrecht und lebt neben der DSGVO weiter. Es greift in dem Moment, in dem das Bild jemand anderes sieht als du und die abgebildete Person.

Warum die Einstufung als Gesundheitsdatum so weit reicht, steht in Sind Trainingsdaten Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO?.

Warum reicht eine Einwilligung nicht?

Weil Speichern und Zeigen zwei verschiedene Zwecke sind, und die DSGVO an die Zweckbindung keine Kompromisse knüpft (Art. 5 Abs. 1 lit. b). Wer für den Fortschritt zustimmt, hat nicht der Werbung zugestimmt.

ZweckGrundlageGetrennt einzuholen
Speichern für den VerlaufArt. 9 Abs. 2 lit. a DSGVOja
Zeigen im Erstgespräch mit DrittenEinwilligung + Bildnisrechtja
Veröffentlichung auf Social MediaEinwilligung + § 78 UrhG / § 22 KUGja
Verwendung in bezahlter Werbungwie oben, plus Hinweis auf Reichweiteja
Weitergabe an eine VertretungEinwilligung, benannter Empfängerja

Praktisch heißt das: drei Häkchen statt einem, mit eigenem Datum. Wenn nur das erste gesetzt ist, ist das kein Problem — es ist der Normalfall.

Wie sieht eine belastbare Formulierung aus?

Ich willige ausdrücklich ein, dass [Name des Trainers] Fotos meines Körpers zur Dokumentation meines Trainingsfortschritts speichert und mir im Verlauf anzeigt. Mir ist bekannt, dass es sich dabei um Gesundheitsdaten im Sinne des Art. 9 DSGVO handelt. Diese Einwilligung ist freiwillig und kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden; die Betreuung bleibt davon unberührt.

Der letzte Halbsatz ist der wichtige. Art. 7 Abs. 4 DSGVO verlangt, dass die Einwilligung freiwillig ist — wenn die Betreuung von den Fotos abhängt, ist sie das nicht. Mehr dazu, mit den vier häufigsten Fehlern, in Einwilligung einholen: Muster und Fehler bei Gesundheitsdaten.

Wo dürfen die Bilder liegen?

Nicht dort, wo sie bei den meisten liegen.

Was ein Speicherort können muss: Zugriff nur für die berechtigte Person, Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung, ein nachvollziehbarer Löschvorgang und die Möglichkeit, eine Freigabe einzeln zurückzunehmen. Die technischen Kriterien im Detail stehen in EU-Server, Verschlüsselung, Zugriffsrechte — was zählt wirklich?.

KADEA ist eine Coaching-App für Personal Trainer im deutschsprachigen Raum: Trainingspläne, 412 Übungen mit Video, Nachrichten und Fortschritt in einer App, die das Logo und die Farben des Trainers trägt. Der Zugang kostet 50 € im Monat plus 10 € je aktivem Klienten (zzgl. USt.), die Daten liegen auf EU-Servern in Irland. Fortschrittsfotos gibt der Klient dort je Foto frei, und er kann jede Freigabe einzeln widerrufen — nachzulesen auf der Startseite und in den häufigen Fragen.

Wann müssen die Fotos weg?

Drei Auslöser, und jeder für sich genügt:

  1. Die Betreuung endet. Der Zweck entfällt, damit greift Art. 5 Abs. 1 lit. e und Art. 17 Abs. 1 lit. a. Ein fester Löschlauf binnen 30 Tagen nach Betreuungsende ist gängige Praxis und leicht zu dokumentieren.
  2. Die Einwilligung wird widerrufen (Art. 7 Abs. 3). Ab sofort, ohne Begründung, und der Widerruf muss so einfach sein wie die Zustimmung.
  3. Die betroffene Person verlangt die Löschung (Art. 17). Auch ohne Widerruf, auch mitten in der Betreuung.

Anders als bei Rechnungen gibt es hier keine gesetzliche Aufbewahrungspflicht, die dagegen steht. Ein Foto ist kein Beleg. Welche Daten nach dem Ende der Betreuung bleiben dürfen und welche gehen müssen, steht in Klient kündigt: Welche Daten müssen weg?.

Was gilt für bereits veröffentlichte Bilder?

Ein Widerruf wirkt für die Zukunft, nicht rückwirkend — eine Veröffentlichung, die zum Zeitpunkt der Zustimmung rechtmäßig war, wird also nicht nachträglich rechtswidrig. Bestehen bleiben darf sie trotzdem nicht: Du musst den Beitrag löschen, soweit dir das möglich und zumutbar ist.

Zwei praktische Konsequenzen:

  • Kein Reposten durch Dritte fördern. Was geteilt wurde, bekommst du nicht zurück, und die Klientin weiß das im Zweifel nicht.
  • Gesichter nur mit ausdrücklicher Zustimmung. Ein Bild ohne Kopf ist weniger überzeugend, aber es entschärft den größten Teil des Konflikts.

Was gilt für Aufnahmen, auf denen andere Personen zu sehen sind?

Im Studio steht selten jemand allein vor der Kamera. Sobald im Hintergrund andere trainieren, kommen zwei weitere Fragen dazu.

Das Bildnisrecht der Dritten. Auch die Person im Hintergrund hat ein Recht am eigenen Bild. In Deutschland kennt § 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG die Ausnahme für Personen, die nur Beiwerk neben der Landschaft oder Örtlichkeit sind — wer im Anschnitt und unkenntlich vorbeigeht, fällt darunter. Wer erkennbar im Bild steht, nicht. In Österreich prüft § 78 UrhG, ob berechtigte Interessen verletzt sind; das Ergebnis ist im Kern dasselbe.

Das Hausrecht des Studios. Fremde Studios untersagen Aufnahmen häufig vollständig, unabhängig vom Datenschutz. Das ist kein Datenschutzthema, beendet die Diskussion aber genauso schnell.

Drei Regeln, die den Konflikt fast immer auflösen:

  1. Neutraler Hintergrund. Eine leere Wand, immer dieselbe — das verbessert nebenbei die Vergleichbarkeit der Bilder deutlich.
  2. Gleiche Position, gleiches Licht, gleiche Uhrzeit. Aus fachlichen Gründen ohnehin richtig, und es hält andere aus dem Bild.
  3. Keine Aufnahme in fremden Räumen ohne Zustimmung des Betreibers.

Für die Speicherung selbst ändert sich dadurch nichts: Es bleibt bei der ausdrücklichen Einwilligung nach Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO, getrennt von der Einwilligung in eine Veröffentlichung.

Fazit

Fortschrittsfotos sind das stärkste Werkzeug im Verkauf und das empfindlichste Datum in der Akte — beides gleichzeitig. Wer Speicherung und Veröffentlichung sauber trennt, die Bilder aus Kamerarolle und Chat holt und ein festes Löschdatum setzt, kann sie ohne schlechtes Gewissen nutzen. Wer es nicht tut, hat irgendwann Bilder auf dem Handy, für die niemand mehr zuständig sein will. Der Gesamtzusammenhang steht in Trainingsdaten und DSGVO: Was Personal Trainer speichern dürfen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 19. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Brauche ich für Fortschrittsfotos eine Einwilligung?

Ja, eine ausdrückliche nach Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO. Fortschrittsfotos zeigen den körperlichen Zustand und sind damit Gesundheitsdaten. Der Betreuungsvertrag allein trägt sie nicht.

Darf ich Vorher-Nachher-Bilder auf Instagram posten?

Nur mit einer zweiten, ausdrücklich auf die Veröffentlichung bezogenen Einwilligung. Neben der DSGVO greift das Recht am eigenen Bild, in Österreich § 78 UrhG, in Deutschland § 22 KUG. Eine Einwilligung zur Speicherung deckt die Veröffentlichung nicht mit ab.

Was passiert, wenn die Klientin die Einwilligung widerruft?

Der Widerruf gilt ab sofort und für die Zukunft, Art. 7 Abs. 3 DSGVO. Die Fotos müssen gelöscht werden, veröffentlichte Beiträge musst du entfernen, soweit dir das möglich ist. Rechtmäßig veröffentlichte Bilder aus der Vergangenheit werden dadurch nicht rückwirkend rechtswidrig, bleiben dürfen sie trotzdem nicht.

Wie lange darf ich Fortschrittsfotos aufbewahren?

Solange der Zweck besteht, also die laufende Betreuung. Danach greift die Speicherbegrenzung nach Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO. Eine gängige Praxis ist ein fester Löschlauf innerhalb von 30 Tagen nach Betreuungsende, sofern nichts anderes vereinbart ist.

Sind Fortschrittsfotos biometrische Daten?

In der Regel nicht. Nach Erwägungsgrund 51 DSGVO werden Fotos erst dann zu biometrischen Daten, wenn sie mit besonderen technischen Mitteln zur eindeutigen Identifizierung verarbeitet werden. Als Gesundheitsdaten fallen sie aber ohnehin unter Art. 9.

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